Sonntag, 2. September 2018

Lese-Empfehlung: „Der Rechtsruck“

Die Ereignisse in Chemnitz haben es noch einmal überdeutlich gezeigt: Deutschland erlebt einen Rechtsruck – und der ist bedrohlich und widerlich.

Woher kommt das Erstarken rechtspopulistischer Parteien wie der AfD oder des Front Nationale? Woher kommt der politische und gesellschaftliche Ruck nach rechts, der auch in Frankreich, den USA und anderen westlichen Staaten unübersehbar ist?

„Der Rechtsruck“, eingebunden über
die Website www.bertz-fischer.de.
Ich möchte Euch im Zusammenhang mit diesen Fragen ein Buch empfehlen, das ich kürzlich gelesen habe und das mich sehr gefesselt hat. Es ist der schmale Band „Der Rechtsruck – Skizzen zu einer Theorie des politischen Kulturwandels“ von Markus Metz und Georg Seeßlen (Bertz + Fischer, ISBN 978-3-86505-747-1).

Die beiden Autoren haben darin bereits früher publizierte Artikel und neu verfasste Texte zu einem Buch zusammengefasst. Dadurch haben die einzelnen Kapitel tatsächlich etwas Skizzenhaftes – „Der Rechtsruck“ ist kein in sich geschlossenes Werk. Dennoch bauen die Gedanken aufeinander auf und entwickeln so eine Theorie zu Genese und Funktionsweise des Rechtsrucks und des Rechtspopulismus in den westlichen Gesellschaften.

Die vielleicht wichtigste Leistung von Markus Metz und Georg Seeßlen ist, dass sie das Erstarken der extremen politischen Rechten und die Umbrüche in Politik, Gesellschaft und Ökonomie im Zeichen des Neoliberalismus in Relation zueinander setzen:

„Der Rechtspopulismus in den Staaten des Westens ist ein Krisensymptom des Neoliberalismus.“

So wird deutlich, dass rechtspopulistische Bewegungen wie die AfD immer auch zu verstehen sind als „das militanteste Instrument einer weiteren Neoliberalisierung“.

Die einzigen Schwächen die man dem Buch attestieren muss bestehen darin, dass einerseits die Texte aufgrund ihrer „Skizzenhaftigkeit“ eine gewisse Mitarbeit des Lesers erfordern und andererseits die Autoren für ihre Argumentation an einigen Stellen das Konzept der „Postdemokratie“ benutzen ohne es zu erläutern. (Für alle die mit dem Begriff „Postdemokratie“ nichts anfangen können, hier ist der Link zum entsprechenden Wikipedia-Artikel.)

Diese geringfügigen Makel können jedoch verziehen werden, und sie ändern definitiv nichts daran: „Der Rechtsruck“ von Markus Metz und Georg Seeßlen ist ein wichtiges Buch von brennender Aktualität.

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