Donnerstag, 12. Juli 2018

Heimat-Horst und der Tod

Bundesinnenminister Horst Seehofer,
Foto: Henning Schacht / BMI
Der Heimat-Horst, der Heimat-Horst,
der ist ein rechter Widerborst,
...

Mit diesen Zeilen sollte mein Spott-Gedicht auf den Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) beginnen. Dann jedoch las ich von jenem jungen Mann, der sich – von Deutschland nach Afghanistan abgeschoben – in Kabul erhängte. (Der 23-Jährige hatte einen kriminellen Hintergrund, doch das gehört nicht hierher – die Todesstrafe ist abgeschafft!)

Der Tod des jungen Mannes gehört zur hässlichsten Seite der Debatte um Flüchtlinge, Migration und Asylkompromiss, eine Seite die gerne vergessen und von politischen Entscheidungsträgern ebenso gerne vertuscht wird. Am Ende von gesellschaftlichen Stimmungen und politischen Entscheidungen sind es einzelne Menschen, die ganz konkret und schonungslos betroffen sind.

Im für unser Befinden günstigsten Fall vollzieht sich das Sterben in weiter Distanz, im fernen Kabul, in einem Folter- und Sklavenlager in Afrika oder ungesehen und in aller Stille auf dem Mittelmeer. Wer ertrinkt, kann nicht mehr schreien, das Wasser füllt seinen Mund.

Ich frage mich, warum politische Entscheidungsträger so rigoros gegen Einwanderung vorgehen, dass dabei sogar der Tod von Menschen (billigend?) in Kauf genommen wird. Was steckt eigentlich dahinter?

Das Folgende ist reine Mutmaßung, doch ich will meine Gedanken gerne mit Euch teilen: Würde die Festung Europa ihre Tore öffnen, wie es im Jahr 2015 durch Zufall für kurze Zeit geschah, dann hätte dies eventuell zur Folge, dass wir eine ganz andere gesellschaftliche Debatte führten.

Die Präsenz einer großen Anzahl von „Habenichtsen“ die auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind, würde wie ein Brennglas einzelne Missstände, die wir in unserer Gesellschaft haben, vergrößern und verschärfen. Die Frage nach günstigem Wohnraum, die Frage nach Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs oder die Frage nach der Verteilung von Wohlstand und Besitz wären plötzlich die Themen.

Ich behaupte daher folgendes: Es gibt Kräfte, die ein Interesse daran haben, dass die Flüchtlingsfrage so menschenverachtend debattiert wird wie es gerade der Fall ist. Dies lenkt nämlich von anderen Fragen ab (siehe oben).

Das ganze ist ein Spiel mit dem Feuer. Wer soll krepieren, wenn keine Flüchtlinge mehr da sind? Wessen Tod, lieber Heimat-Horst, dient dann der Erhaltung des neoliberalen Systems?

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