Dienstag, 3. Juli 2018

Der Zeitgeist ist rechts – und hässlich!

Eine rein persönliche Einschätzung der politischen Großwetterlage in Deutschland und Europa …

Der politische Diskurs unserer Tage zeigt es überdeutlich: Der Zeitgeist ist rechts – und unglaublich hässlich. Chauvinismus und die Aushöhlung der Demokratie gehen Hand in Hand. In kleinen Schritten kommen der Egoismus und die Entmenschlichung von Menschen-Gruppen immer weiter voran, und mir scheint, dass das Tempo sich langsam erhöht.

Heute sind es Flüchtlinge, bei denen im Zweifel die „Menschenwürde“ und das „Menschenrecht“ in Anführungszeichen gesetzt werden, morgen kommen Schwule, Linke und die Arbeitsunfähigen dran. Die Mechanismen sind bald installiert – oder sind sie es gedanklich nicht schon längst?

An Stacheldraht herrscht niemals Mangel ... © Pirandîl
Man spricht nun wieder über Lager, die zu errichten wären. Natürlich sollen sie offen sein, abschließen kann man sie schließlich immer noch. An Stacheldraht herrscht niemals Mangel, wer wüsste das besser als wir Deutschen.

Wenn die Flüchtlinge aus den zu errichtenden Lagern dann alle abgeschoben oder im Mittelmeer ertrunken sind, wenn die Afrikaner, die in ein besseres Leben aufbrechen, in libyschen Foltergefängnissen zu Tode vergewaltigt werden ohne weiter zu stören, dann können die Lager in Deutschland und Europa ja für andere Zwecke genutzt werden. Wie gesagt, Schwule, Linke und Arbeitsunfähige wären auch noch da.

In den Chefetagen der Banken und Konzerne reibt man sich vermutlich schon die Hände. Wenn alle sich über Migranten aufregen, spricht nämlich niemand über die eklatante Ungerechtigkeit der Vermögensverteilung in diesem Land, die Wohnungsnot in den Städten, mit der sich so herrlich Geld verdienen lässt, die kommende Welle an Altersarmut oder das unmenschliche Hartz-IV-System (wobei man für Letzteres ja irgendwann freie Lager hat).

Es wäre nicht das erste Mal, das Ökonomie und rechtspolitische Menschenverachtung ein Bündnis eingehen. Die politische Linke kreist derweil um sich selbst, zerfasert sich in Selbstzweifeln und Selbstverleugnung, anstatt zu begreifen, dass der Klassenkampf längst in vollem Gange ist.

Der Zeitgeist ist rechts – und furchtbar hässlich.

Es gibt keine Alternative zum Widerstand.

Kommentare:

  1. Mich nimmt die politische Lage derzeit auch enorm mit. Und ich muss aufpassen, dass mich nicht ein lähmendes Ohnmachtsgefühl befällt. Wie naiv war ich zu glauben, dass die Welt sich immer weiterentwickeln würde - mit solchen Rückschritten, wie wir sie in den letzten Jahren hinnehmen mussten, hätte ich nie gerechnet.

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  2. Pirandil,
    ich stimme dir über diese hässliche Entwicklung in unserem Lande vollends zu.
    Eins möchte ich nur anmerken:
    die Verteilung des Reichtums ist nicht schlechter geworden, sondern deutlich besser, als zu Anfang des letzten Jahrhunderts. > Hatte ich auch nicht gedacht, aber die Zahlen sagen etwas anderes. Ich kann mich leider niicht mehr an die Quelle erinnern, entweder Welt,Zeit oder Spiegel.
    Schlussendlich:
    Die Welt ist wie wir: diktatorisch.
    Wir haben alle einen kleinen Diktator in uns, der uns ins Dunkel treiben möchte.
    Es schaffen nur immer weniger Leute, den in Schranken zu halten.
    Das ist so. Leider.
    Gruß OPM

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    1. Hallo und vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich persönlich denke, dass es unerheblich ist, ob die Verteilung nun besser oder schlechter ist als im vergangenen Jahrhundert. Nur dass die Verteilung aktuell ist wie sie ist, das treibt mich um. Hier eine Schlagzeile aus dem Januar 2018: "Den 45 reichsten Deutschen gehört so viel wie der Hälfte der übrigen Bevölkerung?" (Süddeutsche Zeitung, 23. Januar 2018, https://bit.ly/2rA1tnS). Ich denke das reicht aus, um über die Verteilungsgerechtigkeit in diesem Land zumindest zu reden. Liebe Grüße, Pirandîl

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    2. Noch ein weiteres Zita aus einem sehr aktuellen Artikel: "Fast jeder zweite Rentner in Deutschland bekommt weniger als 800 Euro im Monat." (Tageschau.de, 12.07.2018, https://bit.ly/2zt9wGZ). Liebe Grüße, Pirandîl

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