Dienstag, 6. Dezember 2016

Konrad Krautsalat und der fantastische Pausen-Verzwockler

Mein Patenkind Max wurde am 6. Dezember getauft. In diesem Jahr habe ich ihm eine kurze Geschichte als Nikolaus- und Tauftagsgeschenk geschrieben. Sie ist etwas fantastisch und auch etwas frech ...

Konrad Krautsalat und der fantastische Pausen-Verzwockler


Für mein Patenkind Max


Erste Abteilung, in welcher von der verrückten Tante Hilde und einer seltsamen Maschine erzählt wird.

Es war früh am Montagmorgen und Konrad Krautsalat ging mit langsamen Schritten die Straße entlang. Er hatte es nicht besonders eilig, was zum einen daran lag, dass er zu früh dran war, zum anderen daran, dass er gleich in der ersten Unterrichtsstunde in der Schule auf Frau Osterschreck treffen würde. Frau Osterschreck war Konrads Mathematiklehrerin und das Verhältnis der beiden war nicht besonders gut. Sie hielt ihn für einen schlechten Schüler, was er im Mathematikunterricht tatsächlich war, er hielt Frau Osterschreck für ein schreckliches Scheusal, was vielleicht etwas ungerecht war, aber auch nicht ganz unbegründet.

Als Konrad schließlich auf die Schule zulief, sah er schon von weitem, dass der große Benjamin neben dem Hoftor an die Mauer gelehnt dastand und ihn angrinste. „Hey Krautsalat“ rief dieser und grinste noch breiter, als sein Freund bei ihm angekommen war. „Hey Benjamin“, grüßte Konrad zurück. Dabei musste er seinen Kopf in den Nacken legen, um dem Wartenden ins Gesicht zu schauen, denn der große Benjamin trug seinen Spitznamen völlig zurecht. Er ging zwar mit Konrad zusammen in dieselbe Klasse und war auch genauso alt wie er, doch dabei war er fast zwei Köpfe größer als Konrad.

„Willst’e was sehen?“, fragte Benjamin und zog ohne die Antwort abzuwarten ein seltsames, klobiges Ding aus seinem Rucksack. „Das hab’ ich im Keller meiner verrückten Tante Hilde gefunden, gestern war mal wieder Besuchszeit angesagt“, erklärte der großgewachsene Junge weiter, während er das Ding auf dem Bürgersteig vor Konrad abstellte. Dann gingen beide Jungen in die Knie und betrachteten das seltsame Objekt.

Es war ein flacher, dunkler Metallkasten, an einer Ecke war etwas Rost zu erkennen, doch davon abgesehen schien er in gutem Zustand zu sein. In der linken, oberen Ecke war eine schmale Rille an deren rechter Seite sich ein Griff befand. Darunter war ein Pfeil ins Metall eingraviert der nach links zeigte. In der rechten Ecke war ein kleines Schild zu sehen, auf dem die Wörter „Alles normal!“ zu lesen waren. Ansonsten war die ganze obere Seite des Kastens von einem zweiten, sehr großen Schild eingenommen, auf dem mit deutlichen Buchstaben die folgenden Wörter standen:

Dr. Zwickzwocklers fantastischer Pausen-Verzwockler
Eine Pille in die Rille gepockelt, schon wird Dir

die Pause vortrefflich verzwockelt!

„Hast’e sowas schonmal gesehen?“, fragte Konrad und griff dabei nach dem Griff und zog ihn nach links. Ein knirschendes Geräusch war zu vernehmen, bis der Griff am linken Ende der Rille angekommen war, dann schnarrte er von selbst in seine Ausgangsposition zurück – ansonsten geschah nichts. „Das war in einer Kiste im Keller, die verrückte Hilde hat gemeint, ich soll’s mit in die Schule nehmen. ‚Das wird ein Spaß, den du nie vergisst‘, hat sie noch gesagt und wie üblich gegackert.“

Konrad hatte den Erzählungen seines Freundes ohne mit der Wimper zu zucken zugehört. Er kannte Benjamin schon eine ganze Weile und wusste daher genau, wer die „verrückte Tante Hilde“ war. Im Stadtviertel war sie auch als die „irre Hilde“ bekannt. Sie war die ältere Schwester von Benjamins Vater und in ihrer Jugend viel gereist. Jetzt lebte sie in einem kleinen Haus am Rand des Viertels, dort wo der Stadtwald begann. Sie war allgemein für ihr absonderliches Verhalten bekannt. So pflegte sie zum Beispiel jeden Sonntag mit einer großen Wasserpistole bewaffnet in den Stadtpark zu gehen, um auf Tauben zu schießen. Für die Vögel war das nicht weiter gefährlich, doch ein gewissenhafter Tierschützer ermahnte Hilde schließlich, dass Sie mit Ihren Wasser-Attacken die „armen, lieblichen Vögel“ verstören würde. Am nächsten Sonntag war Hilde wieder im Park gewesen, wobei nunmehr nicht mehr nur die Tauben das Ziel Ihrer Wasserpistolen-Angriffe waren, sondern auch ein gewisser Tierfreund.

„Hast du auch Pillen für das Ding?“ fragte Konrad nun, und wies dabei wage mit seiner Hand auf die Schriftzeichen in der Mitte des Kastendeckels. „Wieso Pillen?“, frage Benjamin zurück. „Na, da steht doch ‚Eine Pille in die Rille gepockelt‘, das heißt vermutlich, dass man eine Pille in den Schlitz da oben werfen muss, damit was passiert“, fuhr Konrad fort. „Aber was passiert, wenn einem die Pause ‚verzwockelt‘ wird?“, fragte Benjamin und schlug sich gleich danach mit der flachen Hand gegen die Stirn: „Mensch, ich Dödel! Da war doch noch was in der Kiste!“ Hastig griff er in seinen Rucksack und zog daraus einen weiteren, deutlich kleineren Kasten hervor. Er war ebenfalls aus Metall, schmal und nur wenige Zentimeter lang. Die Oberseite des Kästchens bestand aus drei farbigen Deckeln, einem grünen, einem blauen und einem roten. In jeden war mit kleinen, weißen Buchstaben ein Wort eingraviert:

Piraten-Sause
Ritter-Spektakel
Monster-Fiasko

„Was da wohl drin ist“, murmelte Konrad und wollte gerade den Deckel mit der Aufschrift „Piraten-Sause“ öffnen, als von der Schule her das schrille Läuten der Glocke zu hören war. „Mist, wir kommen zu spät!“, riefen beide Jungen gleichzeitig. Hastig stopfte Benjamin den „Verzwockler“ und das kleine Kästchen in seinen Rucksack zurück, und beide rannten so schnell sie nur konnten zur Schule. „Die Osterschreck reist mir den Kopf ab“, keuchte Konrad mit gepresstem Atem, als sie über den Schulhof rannten. „Vergiss die Alte“, stieß Benjamin hervor, während sie durch die Aula hasteten und die Treppe hinauf polterten, „in der Pause probieren wir den Verzwockler aus, oder?“

Die zweite Abteilung der Geschichte werde ich morgen in meinem Blog veröffentlichen.

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