Sonntag, 20. November 2016

Westbahnhof Frankfurt – ein Morgen-Moment

Gedanken-Lyrik, in Prosa gegossen


S-Bahn-Roulette im Berufsverkehr: Den Anschluss verpasst, auf einmal ist Zeit – Novembermorgen am Westbahnhof Frankfurt. Einen Coffee to go in der Hand, wie kommt er dorthin? Graublaues Dämmerungslicht verzaubert die Stadt, Wind in meinen Haaren, der Himmel von Wolken belagert, graublaue Wolken am Morgen.

Ist es ein Laternen- oder Schildermast an dem ich lehne? Der Kaffee ist warm, er schmeckt süß und bitter zugleich. Menschen gehen den Bahnsteig entlang oder warten am Gleis – Roulettekugeln, in ihrer Reise gebremst, so wie ich. Eine Asiatin, schwarzhaarig, klein, ein Mann mit fahlem Gesicht, er sieht krank aus. Der Kaffee tut gut.

Eine Bahn fährt ein, Kugeln geraten in Bewegung, nicht alle, ich auch nicht – die falsche Ziffer am Lokführerhaus. Die Bahn fährt ab, die verbliebenen Kugeln sortieren sich neu. Ich bleibe stehen. Ein Mann kommt angelaufen, elegantes Gesicht, schwarze Haarmähne, Dreitagebart, ein femininer Glanz in den Augen, wie er wohl riecht? Der Wind zerbeult seinen Mantel während er auf mich zukommt, dann ist er vorbei.

Die nächste Bahn ist die meine, Zeit dehnt sich, graublau getränkt, ist es möglich einen Moment zu umarmen? So ist das Jetzt – Novembermorgen am Westbahnhof Frankfurt.

(Rückblickend geschrieben am Abend desselben Tages.)

1 Kommentar:

  1. Pirandil, der Vergleich mit den Roulettekugeln gefällt mir. Nur sind diese i.d.R. nicht so hektisch und laufen rund. :)
    Bitte mehr solcher Alltagsbeschreibungen!!
    Real Life Lyrik.
    OPM

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