Freitag, 24. Juli 2015

Früher oder später – Momentaufnahme einer skeptischen Liebe

Durch das offene Fenster dringt kaum ein Luftzug. Hitze wohnt draußen und drinnen. Irgendwo spielt jemand Klavier. Eine langsame, getragene Melodie klingt leise und melancholisch durch die Stille des Julisonntags. Ein Vogel singt kurz, verstummt wieder. Das Klavier spielt weiter. Jaron hört zu. Mit geschlossenen Augen liegt er auf seinem Bett. Er spürt, wie sich Rita an ihn schmiegt. Die Kühle, die von dem Schweißfilm auf ihrer Haut aufsteigt, die Wärme ihres Körpers darunter und dieser schwere Geruch. Rita-Duft schießt es ihm durch den Kopf, als er merkt, wie ihre Finger sanft über die Haut seines Rückens gleiten. Rita-Duft, hallt es erneut durch sein Hirn, Rita-Duft. Sanft drückt er sie enger an sich, das Klavier spielt immer noch. Ritas Fingerkuppen gleiten weiter über seine Haut. Unwillkürlich fängt auch er an, sie zu streicheln. Seine Augen sind immer noch geschlossen. Früher oder später, denkt er, als seine Fingerspitzen den Rücken verlassen und über Ritas Hüfte gleiten, früher oder später ist es vorbei. Früher oder später, seine Finger gleiten ihren Oberschenkel hinab, früher oder später schickt sie mich fort. Früher oder später, denkt er, als seine Finger an der Innenseite von Ritas Oberschenkel nach oben wandern, früher oder später. Die Gesichter der beiden sind nun ganz nah. Früher oder später, aber nicht jetzt. Das Klavier hat aufgehört zu spielen. Doch das merkt Jaron nicht mehr.

Der Text ähnelt einer anderen Schreibübung, » Sommerhaut. Doch die Akzente der Texte sind verschieden, urteilt selbst.

Kommentare:

  1. Wunderschön geschrieben, lieber Pirandîl... Es ist eine Kunst, "nur" mit Worten ein Bild in so zarten, aber klären Tönen zu malen, daß man meint, das Klavier zu hören, den Duft zu atmen, die Hitze und die Melancholie zu spüren...
    Liebe Grüße von Felina, die sich jetzt wahrscheinlich den ganzen Abend immer wieder überlegen wird, warum Rita ihn wohl früher oder später wegschicken wird...

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  2. Hallo Pirandil
    Einmalig diese Beschreibung, man spürt die Stimmung, die Wärme, den Duft, selbst das leise Klavierspiel ist wahrnehmbar.
    Ich wünsche dir ein entspanntes Wochenende.
    LG Sadie

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