Freitag, 24. April 2015

Ecce homo – Gebet eines Hässlichen

Die schwarze Welle,
der fressende Schlund
der alles verschlingt –
so wogt es in mir.

Ein Pulsen und Drängen,
ein schrecklicher Zorn
voll Verzweiflung und Tod,
voll Verlangen und Gier.

Aus Trauer wird Wut,
aus Einsamkeit Hass
und der Hass zeugt die Tat:

Wie schön es jetzt wäre,
einen Menschen zu töten.

So lockt mich der Ruf,
und ich fürchte um mich.


Das Gedicht entstand in der Nacht von Sonntag auf Montag. Nun ist es Freitag und ich füge noch dies hinzu, da ich nicht möchte, dass Ihr Euch unnötig Sorgen macht: Ich laufe nicht Gefahr, zum Mörder zu werden. Wer schreibt, schießt nicht.

Kommentare:

  1. Lieber Pirandil,
    hättest du den Epilog nicht geschrieben, wäre ich ernsthaft besorgt gewesen. Natürlich kämpft man immer mal wieder mit den Dämonen,
    überhaupt in der Nacht ist alles noch viel schwärzer, schlimmer und hoffnungsloser. Ich denke, du hast einiges aufzuarbeiten, egal wann und wo und was da passiert ist, was dich doch so sehr gefangen hält.
    Schon Goethe zitierte:
    "Dämonen, weiß ich, wird man schwerlich los."
    Ich wünsche dir ein helles, klares, strahlendes, wolkenloses Wochenende.
    LG Sadie


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    1. Hallo Sadie,

      danke für Deinen Kommentar und ebenso danke für Deinen schönen Wunsch. Zumindest im metaphorischen Sinn könnte das Wochenende für mich tatsächlich wolkenlos sein.

      Der begriff „Dämonen“, den Du verwendest, passt sehr gut, ich verwende ihn auch oft, wenn ich von diesen Gefühlen spreche. Ich kenne meine „Dämonen“ schon sehr lange, in gewisser Weise sind sie ein Teil von mir. Doch nicht sie haben die Kontrolle, sondern ich, auch wenn es manchmal ein Kampf ist.

      Liebe Grüße und auch Dir ein wunderschönes Wochenende, Pirandîl

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  2. Lieber Pirandîl,
    auch ich war sehr erschrocken, der Epilog konnte mich nur wenig beruhigen.
    Ich wünsche dir, dass du mit Licht und Wärme und Nachsicht dir selbst gegenüber deinen Dämonen entgegentreten kannst. Nicht unbedingt, um sie zu besiegen, sondern um sie als einen Teil von dir wahrzunehmen und anzuerkennen.
    Einen schönen Sonntag und viele Grüße
    Anna.

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  3. Als ich das Gedicht gelesen habe, habe ich im ersten Moment nicht erkannt, daß Du über Dich selber und Deine Gefühle schreibst, lieber Pirandîl... Das lag wohl am Titel... Denn schließlich bist Du ja nicht hässlich. Erst beim zweiten Lesen habe ich erkannt, worum es geht und war auch sehr erschrocken... Es ist gut, daß Du Dir Deinen Kummer und Zorn von der Seele schreiben kannst, denn ich bin auch davon überzeugt, daß dies eine sehr wirkungsvolle Waffe gegen diese Art von Dämonen ist.
    Liebe Grüße von Felina, die Dir Kraft, gute Energien und einen Sonnenstrahl sendet.

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    1. Liebe Felina,

      danke für die Kraft, die Energie und den Sonnenstrahl, von einer Energie-geladenen Frau wie Dir ist dies ein besonders wertvolles Geschenk.

      Liebe Grüße, Pirandîl, der Dir ebenfalls alles Gute wünscht.

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