Sonntag, 29. März 2015

Regennachmittag, ein Sonntag im März

Graues Regenlicht flutet die Stadt. Sonntäglich-leise fallen die Tropfen, ein still-grauer Tag, der dröge vergeht. Die Einsamkeit hat viele Gesichter. Nun nickt sie mir freundschaftlich zu. Eine alte Bekannte, die mich nimmt, wie ich bin. Die Stunde vor dem Dunkelwerden wurde nach hinten gelegt, Sommerzeit-Wandel, immer einmal im Jahr. Wenn das Grau vor dem Fenster sich mit Gelb vermischt, ein Schmutzgelb die Welt bedeckt und die Dämmerung droht, dann kommen Risse in die sonntägliche Alltagsumgebung. Die Oberfläche wird spröde und springt. Doch bevor ich sehe, was darunter liegt, rettet mich das Schnurren der Katze. Die Einsamkeit gibt mir einen Kuss auf die Wange und versickert in der Wand – es ist Abendessenzeit.

Kommentare:

  1. Lieber Pirandîl,
    du hast es geschafft, das erdrückende Gefühl eines Sonntagnachmittags einzufangen und gleichzeitig zu verwandeln in etwas Hoffnungsvolleres. Deine Worte haben mich sehr beeindruckt, ich konnte mich auch in ihnen wiederfinden. Die Sonntagnachmittagseinsamkeit besucht uns alle.

    Mein Gegenüber ahnt nichts von meiner Abhängigkeit, die mich selbst so sehr belastet. Er ist nicht stark für mich und hält mich nicht bewusst, ich klammere mich, ganz unbemerkt, an ihm fest und suche so sehr nach diesem Etwas in mir, was mich an mich selbst glauben lässt. Und dieser Momente sind es derzeit leider einige zu viele...

    Zu deinem PS: Eine Sucht zu überwinden heißt vermutlich, geduldig mit sich zu sein. Gerade wenn die Gedanken noch so stark in dir sind, ist es unheimlich mutig und tapfer, dagegen anzukämpfen. Ich selbst bin, abgesehen von ein oder zwei Ausflügen vor vielen Jahren und gelegentlich einer Cola, bezüglich Nikotin, Alkohol und Koffein abstinent.

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  2. Hallo Pirandil,
    du hast diesen Regennachmittag sehr beeindruckend beschrieben, melancholisch, doch gleichzeitig zuversichtlich.
    da habe ich mich an ein Gedicht von
    Charlotte von Ahlefeld erinnern können.

    "Was ist wahre Einsamkeit?
    Sind wir einsam, wenn das Leben
    Rings von Stille ist umgeben?
    Wenn die rege Phantasie
    Uns in schaffender Magie
    Neu beseelt mit süßem Streben
    Bilder der Vergangenheit? –
    Ist das wahre Einsamkeit?

    Nein, nur das ist Einsamkeit,
    Wenn sich Wesen um uns drängen,
    Denen nicht in zarten Klängen
    Sich vernehmbar macht das Herz,
    Oft voll Wonne, oft voll Schmerz –
    Die uns das Gemüth verengen
    Durch der Langeweile Leid –
    Das ist wahre Einsamkeit!"

    Ich wünsche dir eine sorgenfreie Woche.
    LG Sadie

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    1. Hallo Sadie,

      vielen Dank, der Name Charlotte von Ahlefeld war mir bis hierhin nicht bekannt – ganz offensichtlich eine Bildungslücke, denn das Gedicht, das Du zitierst, ist wunderschön. Vielen Dank.

      Liebe Grüße, Pirandîl

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  3. Deine Bilder fangen mich sofort ein, sie lassen mich spüren, wie dieser regnerische Sonntagnachmittag sich für dich angefühlt hat, und ich schließe mich Anna an: Inmitten der leisen, gedämpften Stimmung schwingt etwas Klares, Versöhnliches und Hoffnungsvolles mit, ein Ja-so-ist-es, ein Ja-so-bin-ich-jetzt. Und ich glaube, das ist, unabhängig von jedweder äußeren Lebenssituation, etwas ungemein Kostbares.

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    1. Hallo Schattentänzerin,

      es freut mich sehr, dass meine Worte diese Wirkung auf Dich haben und es stimmt, dieser Moment war tatsächlich sehr kostbar, da ich zu diesem Augenblick ganz bei mir war. So geht es mir im besten Fall, wenn ich schreibe, ich vermute, Du kennst diesen Zustand auch.

      Liebe Grüße, Pirandîl

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  4. Lieber Pirandîl,
    ein kluger Mann hat einmal gesungen:
    "Schön ist nur das, was du verpasst / Du brauchst irgendwas, was du nicht hast / Du bist nie zufrieden, du willst immer mehr / Vielleicht wirst du's begreifen, irgendwann / Und wenn's so weit ist, bitte denk daran: / Glück ist zerbrechlich / Fass es vorsichtig an / Wie Porzellan"

    Alles Liebe, Anna.

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  5. Ich habe heute auch mit ihm reden können, es zwar nicht viel, aber er hat mir die Fahrstuhltür aufgehalten und ich habe mich bei ihm bedankt. Obwohl er ein absoluter Fremder für mich ist, hatte ich kurz Atemnot in diesen 3 Minuten. Ist das nicht komisch?
    Und danke für dein Kommentar, ich habe mich sehr darüber gefreut!
    Du hast eine tolle und zauberhafte Art zu schreiben. Ich habe es quasi als Bild vor mir gesehen.

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