Mittwoch, 18. März 2015

Blockupy Frankfurt 2015: Protest – Gewalt – Event?

Es ist das Alter, mit 37 ist man nicht mehr radikal. Ich mache keinen Hehl daraus, als 19- oder 20-Jähriger hätte ich die Blockupy-Proteste heute in Frankfurt voll unterstützt. Auch heute noch sagt eine Stimme in mir: „Ja, es stimmt. In Europa läuft etwas falsch.“ Aber muss deswegen wirklich die Straße brennen? Wo hört Protest auf? Ab wann ist Gewalt nur noch Event und Inszenierung? Ein Beigeschmack bleibt:

Blockupy Frankfurt 2015. © Pirandîl.

Blockupy Frankfurt 2015. © Pirandîl.

Blockupy Frankfurt 2015. © Pirandîl.

Blockupy Frankfurt 2015. © Pirandîl.

Blockupy Frankfurt 2015. © Pirandîl.

Blockupy Frankfurt 2015. © Pirandîl.

Kommentare:

  1. Hallo Pirandil,
    mich erschreckt die Tatsache, dass solche Ausschreitungen europaweit zunehmen. Selbstverständlich bin ich auch mit vielen Dingen, die in der EU passieren überhaupt nicht einverstanden, doch ist das eine Option mit Gewalt zu reagieren? Nein, wenn ich solche Bilder sehe fühle ich mich zurückversetzt in ein Regime, das wir nicht haben wollen. Ganz schlimme Vorstellung, dass der gemeinsame Dialog ausbleibt und die Fäuste (Wasserwerfer usw.) sprechen.
    Lg Sadie

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    1. Hallo Sadie, es ist tatsächlich erschreckend – und meine Bilder sind eher harmlos im Vergleich mit einigen anderen Szenen, die heute durch das Internet geistern. Das eigentlich Anliegen der Demonstrationen, das ich befürworte, wurde dadurch völlig konterkariert.

      Liebe Grüße, Pirandîl

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  2. Naja, ich unterstelle Leuten, die für eine Sache auf die Straße gehen prinzipiell erstmal, dass es ihnen auch wirklich um die Sache geht. Sicher hätte man seinen Protest auch über friedliche Demonstrationen kundtun können. In einer Demokratie hat man dazu immerhin die Möglichkeit. Andererseits, ist in einer Welt, wo die Politik inoffiziell von den Banken gesteuert wird, nicht zu erwarten, dass normale Demos daran etwas ändern.

    Die Bilder von bernnenden Polizeifahrzeugen mitten in Frankfurt werden jetzt sicher um die Welt gehen und viel Aufmerksamkeit erregen - insofern sind die Ausschreitungen irgendwo auch gelungenes Marketing. Friedliche Demonstrationen am Rande der EZB-Eröffnung hätten in den internationalen Medien bestenfalls zu einer Randnotiz genügt, wenn überhaupt.

    Zu befürworten sind solche Ausschreitungen trotzdem nicht. Bei mir in der Stadt zünden Linksautonome auch ohne Blockupy hin und wieder nachts teure Autos oder Mülltonnen an. Das kann kein sinnvoller Weg sein, um irgendetwas zu verändern.

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    1. Hallo John Bodyfit und herzlich willkommen, ich freue mich immer, eine neue Stimme in meinem Blog begrüßen zu dürfen.

      Du sprichst etwas sehr wichtiges an: Ohne die Flammen und die Gewalt wäre die mediale Berichterstattung über die Proteste sicher eine andere gewesen, und ja, vielleicht wäre sie auch weniger umfangreich gewesen.

      Der meiner Meinung nach berechtige Protest wird dadurch diskreditiert. Wem helfen die brennenden Barrikaden also am Ende wirklich?

      Liebe Grüße, Pirandîl

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  3. Aus eigener Erfahrung heraus kann ich sagen, dass die meisten Menschen bei derartigen Aktionen nichts weiter als Demotouris sind: Leute, die nach Aufregung und Skandal gieren, die nicht mal genau wissen, wogegen sie da eigentlich schreien und denen das eigentlich auch sowieso egal ist, weil so eine Demoteilnahme ja eine nette und spannende Sonntagnachmittagunterhaltung darstellt. Da ich das, freundlich ausgedrückt, zum Kotzen finde, halte ich jetzt lieber den Mund :>

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    1. Hallo Anna,

      in meinem Blog muss niemand den Mund halten, der etwas sinnvolles zu sagen hat und Du ganz bestimmt nicht.

      Ich wäre übrigens neugierig, welche Erfahrungen hast Du in dieser Hinsicht gemacht?

      Liebe Grüße, Pirandîl

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    2. Lieber Pirandîl,
      deinen schönen Blog mit den vielen eindrucksvollen Texten und Bildern möchte ich wirklich nicht mit meinem Geschimpfe belasten, deswegen mache ich es kurz: Du weißt ja vielleicht, dass ich Psychologie studiert habe. Das Fach steht den Sozialwissenschaften recht nahe, und leider stimmt das Klischee vom selbsternannten Gutmenschstudenten (zumindest an meiner früheren Universität) nur zu oft. Auch war ich früher selbst in... nennen wir es "tendeziell radikaleren Kreisen" unterwegs und habe daher von dieser Art von Mensch (große Klappe, nichts dahinter) die Nase ziemlich voll.
      Liebe Grüße sendet dir Anna, die übrigens sehr überrascht ist, dass du tatsächlich schon 37 sein sollst :O

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  4. Hallo Pirandîl,

    als ich heute recht spät die Nachrichten las, war ich entzsetzt... und beim Wort Frankfurt habe ich auch sofort an dich gedacht, fragte mich, ob es dir gut ginge. Dementsprechend war ich - den Umständend entsprechend - erleichtert als ich diesen Blogeintrag sah.

    Bei mir sitzt die Fassungslosigkeit und Trauer noch zu tief, um greifbare Worte zu formen, die Sinn ergeben. Doch würde ich dir gerne kurz von der Familie der Arbeitskollegin eines Bruders berichten: Sie haben ein kleines Hotel in der Nähe von München, welches bereits ausgebucht war für den Sommer. Seit den Berichten in den Nachrichten im Ausland über diese ausschreitenden Krawalle haben bereits knapp 80% Touristen abgesagt. John erwähnte es bereits: Das sind die Nachrichten, die dann von Ort zu Ort noch aufgebauscht werden. Letztendlich die treffen, die in den meisten Fällen rein gar nichts damit zu tun haben: Das gewöhnliche Volk.
    Sie ist natürlich nur ein winziger Maß, den ich nur zur Verdeutlichung bennenen wollte.
    Wer wird zahlen für die Negativ-Sturm der Medien im In- und Ausland? Wer wird für die Zerstörung und die Krankenhauskosten aufkommen? Womöglich nicht der Bänker oder der Politiker, oder gegen wen auch immer sich dieser Krawall richtete. So genau wissen es einige "Demonstranten" wohl selbst nicht.

    Trotzdem warte ich gespannt, welche Konsequenzen den 500 linken Aktivisten, die verhaftet worden sind, ereilen wird bei immerhin genauso links-sprechenden Richtern. Ab in die Schäm-Dich-Ecke und dann ab ins Bett. Soll das eine gerechte Strafe für einen Menschen sein, der Körperverletzung und Zerstörung von Staatseigentum als Rechtfertigung für andersweitige politische Ansichten pflegt (ganz egal, ob ich persönlich ihm prinzipiell Recht geben würde)?
    Jetzt schweife ich wohl ab. Es stimmt missmutig und treibt in schwarzen Nebel.

    Trotzdem hoffe ich weiterhin, dass es dir gut geht und dies sich um einen einmaligen Zwischenfall gehandelt hat.

    Liebe Grüße
    Emaschi

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    1. Hey Emaschi,

      danke für Deine Sorgen, ich kann Dir versichern, es geht mir gut. Ich war vernünftig genug, um mich beim Fotografieren nicht in die schlimmsten Krawalle hinein zu begeben.

      Ich hoffe auch sehr, dass sich diese Ereignisse nicht wiederholen. Das hat mit Protest und Demonstration nichts zu tun, derartige Exzesse sind ganz einfach nur Vandalismus. Diese Leite hatten Freude an der Gewalt, mehr nicht.

      Liebe Grüße, Pirandîl

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  5. Dieser Song beschäftigt sich übrigens auch mit dem Thema: 'Talking Blockupy - Über Blockupy Reden' von Michel Montecrossa. (MichelMontecrossa.com)
    Video zum Song http://vimeo.com/122687752
    Michel Montecrossa's New-Topical-Song setzt sich für einen neuen, sozial-ethischen Kapitalismus ein. Der Song ist an dem Tag entstanden, an dem die Einweihungsfeier des EZB Turmes in Frankfurt stattfand, welche von konstruktiven wie destruktiven Protesten der Blockupy Bewegung begleitet wurde. Michel Montecrossa ist gegen Gewalt, aber sieht gleichzeitig die
    gute Seite von Blockupy, die sich kritisch mit der krassen Form des
    Kapitalismus auseinandersetzt, wenn dadurch ein friedlicher Wandel hin zu einem ethisch-sozialen Kapitalismus bewirkt werden kann, der allen EU-Staaten eine Haltung von Solidarität vermittelt und fähig ist,
    größere Zugangsmöglichkeiten zu den Wirklichkeiten von Eurasien und den Vereinigten Staaten des Planeten Erde zu schaffen, Zugangsmöglichkeiten, die Auswege darstellen aus den Problemen von steigender Armut und Jugendarbeitslosigkeit sowie zunehmender sozialer Ungerechtigkeit.

    Michel Montecrossa sagt über seinen Song ‘Talking Blockupy - Über
    Blockupy Reden’:
    “Ich habe den Song ‘Talking Blockupy - Über Blockupy Reden’ anlässlich der Einweihungsfeier des EZB Turmes in Frankfurt geschrieben. Die Einweihungsfeier wurde von Blockupy Protesten und einer gewalttätigen Kritik am Kapitalismus begleitet. Mein Song steht für eine alternative Sichtweise bezüglich der Werte der europäischen Wirtschaft und für einen
    ethisch-sozialen Wandel des Kapitalismus, mit dem im Kontext von
    Eurasien und der Weltvereinigung eine bessere Zukunft für Europa
    ermöglicht werden kann. Blockupy kann mit seinem kritischen Denken einen wichtigen Impuls darstellen, der zum Handeln hinsichtlich steigender Armut und Jugendarbeitslosigkeit sowie zunehmender sozialer Ungerechtigkeit in Europa aufruft, welche nicht nur die EU selbst bedrohen, sondern die ganze Welt. Aus diesem Grund ist es ratsam, sich den Aussagen der Blockupy Bewegung zu stellen und über Blockupy zu reden.“

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