Samstag, 20. Dezember 2014

Die Kunst, der Kommerz und E-Books für 0 Euro

Zur Bilanz einer „Kostenlosen Werbeaktion“ bei Amazon


Genau 111 Mal wurde mein E-Book „Die Weihnachtskatze“ in den zurückliegenden Tagen bei Amazon herunter geladen. Das freut mich natürlich, doch gleichzeitig gibt es mir auch zu denken. Sollte ich mich davon verabschieden, Geld für meine E-Books zu verlangen?

Es war eine sogenannte „Kostenlose Werbeaktion“ bei Amazon. Vom 13. bis zum 17. Dezember konnte die Geschichte „Die Weihnachtskatze“ völlig umsonst als Kindle-E-Book bezogen werden. Die Aktion ist vorbei, seitdem kostet der Text wieder 99 Cent, genau wie meine anderen E-Books auch – und ich habe angefangen zu grübeln. Denn es gibt eine Diskrepanz, die mir immer wieder auffällt: Sobald ich ein E-Book für 0 Euro anbiete, findet es Leser, ist die 0-Euro-Aktion vorbei, schläft auch das Interesse an dem E-Book wieder ein. Die Verkaufszahlen jenseits der 0-Euro-Aktionen sind verschwindend gering. So ist es nun mit der „Weihnachtskatze“ und so war es auch mit der Geschichte „Rubunculus“ und auch mit dem „Bauklötzchenspiel“. Was bedeutet das nun? Was bedeutet es für mich?

Ich bin mir nicht sicher, ob es überhaupt möglich ist, bei Amazon ein E-Book dauerhaft für 0 Euro anzubieten. Wahrscheinlich eher nein, denn Amazon will schließlich Geld verdienen. Ich bin aber auch mit meinen Gedanken noch nicht so weit, dass ich eine Entscheidung fällen könnte. Es sind Gedankenspiele, die ich anstelle. Was wiegt schwerer? Die Texte verkaufen wollen und auf ihnen sitzen bleiben, was natürlich ein ständiges Frust-Moment ist, oder die Texte verschenken, den ganzen Kommerz-Blödsinn hinter sich lassen und einfach nur schreiben um zu schreiben und vielleicht gelesen zu werden. Letzteres würde natürlich bedeuten, die Wunschvorstellung, irgendwann vom Schreiben leben zu können, zu begraben, aber wie viel Substanz hat dieser Wunsch denn überhaupt noch?

Es sind Gedankenspiele, die ich anstelle, und diese Spiele werden mich wohl noch eine Weile beschäftigen. Ich wäre aber interessiert, andere Meinungen zu hören. Was denkt Ihr?

Die rote Linie steht für Ausgaben, die für 99 Cent
das Stück verkauft wurden, die grüne Linie, für Ausgaben,
die für 0 Euro herunter geladen wurden.


Kommentare:

  1. Ich habe genau dieselbe Erfahrung gemacht. Einen Kurzgeschichtenband kurzfristig in einer Gratisaktion angeboten (auch in der Hoffnung, dadurch in die vorderen Ränge zu gelangen), hatte über 150 Downloads und nach Raufsetzen auf den regulären 99 cent-Preis wieder nada, so gut wie gar keine Verkäufe. Meine Lehre daraus: Ich mache keine Gratis-Aktionen mehr, da sie nichts bringen. Sie bringen mir als Autor nichts, da keine reguläre Verkäufe dadurch angekurbelt werden, denn man schafft es nicht mehr hoch in die oberen Ränge zu kommen, da einfach mittlerweile viel zu viele Bücher gratis angeboten werden. Früher hat das wohl noch funktioniert. Mittlerweile nicht mehr, weshalb ich mir Gedanken über andere Werbemaßnahmen machen muss (Facebook, Buchblogger, ev. Leserunden ...) Ob es von Erfolg gekrönt sein wird? Keine Ahnung, man muss Geduld haben. Aber lieber nur einige wenige Bücher verkaufen als umsonst verschleudern, denn die, die es gratis ergattert haben, lesen es womöglich noch nicht einmal, sondern haben nur ihrer Geiz-ist-geil-Mentalität nachgegeben. Noch dazu macht man mit Gratis-Aktionen längerfristig den E-Book-Markt kaputt.

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  2. " ... die Wunschvorstellung, irgendwann vom Schreiben leben zu können, zu begraben, aber wie viel Substanz hat dieser Wunsch denn überhaupt noch?"

    M.E.ist die Zeit der erfolgreichen Gratis-Aktionen eh ziemlich vorbei. Sodann hast du es mit eienr Kurzgeschichte versucht. Für Kurzgeschichten gibt es in Deutschland - anders als etwa in den USA - nach wir vor kein sonderlich großes Interesse.
    Wenn dein Ziel ist, vom Schreiben zu leben, musst du Romane schreiben und veröffentlichen. Und zwar viele - richtig viele.
    Mit "richtig vielen" Romanen kannst du dir eine Fan-Basis aufbauen, die groß genug ist, um für die weiteren Romane ausreichend Absatz zu bieten.
    Es ist immer wieder beeindruckend, von AutorInnen zu lesen, die quasi im Handumdrehen richtig Erfolg haben. Das ist aber nicht "AutorInnen-Alltag"; darauf kannst du nicht zählen.
    Du kannst nru darauf zählen, dass du jeden Tag deine 1000 oder 2000 Wörter schreibst, so gut du kannst, und jedes Jahr drei oder vier Romane veröffentlichst. Dann kannst du darauf hoffen, dass du in einigen Jahren vom Schreiben leben kannst.
    Und mit Glück (!) ist darunter ein Roman, der richtig Erfolg bringt.

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  3. Da du danach gefragt hast, will ich nun doch ein paar offene Worte verlieren.
    Ich denke, die Frage, die du dir wirklich stellen solltest, ist die, weswegen du überhaupt schreibst.
    Bist du extrinsisch motiviert? Geht es dir um Anerkennung, Ruhm, Geld, das Gelesenwerden oder Ähnliches? Dann hör auf damit. Denn die Statistik sagt, dass nur ein ganz kleiner Bruchteil der Schriftsteller mal groß rauskommen, was bedeutet, dass du aller Wahrscheinlichkeit nach auf ewig gefrustet sein wirst.
    Bist du intrinsisch motiviert? Geht es dir um das Sichausdrücken, ist das Schreiben ein Ventil, hilft es dir beim Sortieren usw.? Dann bleib dabei. Denn das Schreiben wird dir positive Gefühle geben, egal ob und welche Rückmeldungen kommen.
    Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass Menschen, die für eine Tätigkeit intrinsisch motiviert sind, ihr Interesse an der Aktivität verlieren, sobald sie eine extrinsische Belohnung wie beispielsweise Geld dafür bekommen. Deswegen ist es häufig sinnvoll, das Hobby nicht zum Beruf zu machen. Es sei denn, es ist eine Berufung - man kann nicht anders, das Medium ist wie eine Sucht, man MUSS einfach musizieren, malen, schreiben...
    Du könntest einmal versuchen, Texte zu schreiben, bei denen du dir von vorne herein vornimmst, sie nicht zu veröffentlichen, und deine Gefühle dabei beobachten. Bist du dann frustriert? Fällt dir nichts ein? Oder bist du trotzdem zufrieden, ausgeglichen, glücklich?
    Ich sende dir gute Gedanken.

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  4. Vielen Dank für Eure Kommentare, sie sind ausgesprochen wichtig für mich, denn sie geben mir zu denken. Tatsächlich werde ich mir über den Jahreswechsel wohl einiges überlegen müssen.

    Ganz besonders danke ich Dir, Anna, Deine Ausführungen erinnern mich daran, wann und warum ich mit dem Schreiben angefangen habe – und das war lange bevor es diesen Blog oder die E-Book gab.

    Liebe Grüße, Pirandîl

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    1. Lieber Pirandil,

      schade, dass deine 0-€-Aktion nicht nachhaltig funktioniert hat. Hab ich aber schon lange so generell zu Geschenkaktionen gedacht. Wie du völlig richtig resümierst, gibt es eine Klientel, die nur Abstauben will, dein Buch noch nicht mal lesen wird; ein anderer Teil wird es sicher lesen, entgeht dir aber halt als bescheidene Einnahme. Leider wird dies immer wieder durch neue 0 € Angebote gefüttert. Wir AutorInnen müssen aufhören, diese Geiz-ist-geil-Mentalität auch noch zu unterstützen.
      Ebenso korrekt wurde in den Kommentaren erkannt, dass die Zeiten von wundersamen Rankingplätzen allein aufgrund solcher Gratistitel lange vorbei sind. Eben die Masse an Titeln schwemmt einen rasch wieder in die unteren Ränge. Das hat mit der Qualität des Textes erst mal nichts zu tun, sondern eher mit den mangelnden marketingmaßnahmen, die sich ein SP leisten oder eben nicht leisten kann.

      Ich sehe ein, dass die Leserschaft bei einem E-Book einen günstigeren Preis erwartet, als bei einem gedruckten Buch. Trotzem gilt für mich - und das ganz besonders in D - immer noch: "Was nichts kostet, ist nichts wert." Nicht, dass ich dieser Aussage zustimme, nur deren Wirkung.
      Ergo biete ich meine E-Books für 2,99 € an, was ja auch im Grunde nichts ist. Zieh davon die 30% für Amazon ab, bleiben 1,97 € für den Autor. Wenn man bedenkt, dass man dafür nicht mal zwei Hamburger bekommt (und die sind in spätestens 10 min. verputzt), fragt man sich schon, wie die Leute unsere Arbeit honorieren (oder leider halt nicht).

      Dann rechne mal nach, wie lange du an deinem Rohtext und den Überarbeitungen gesessen hast. Wie viele Stunden kommen da zusammen? Bei meinem Band I der Spiegelkrieger waren es grob geschätzte 1.000 h Rohtext und mindestens noch mal so viel für die Recherche, Überarbeitungen, Lektorat, Self-Publishing und - immer noch andauerndes - Self-Marketing. Also schlappe 2.000 h x (Mindestlohn) 8,50 € ergeben 17.000 €, die man erst mal wieder durch Verkäufe einnehmen müsste. Dann zieh davon noch die Steuer ab und du erhältst ein Minus.
      Wenn ich 5.686 E-Books verkaufe, hätte ich den Betrag wieder eingenommen, abzüglich 30% für Amazon, also müsste ich mindestens ca. 7.400 Exemplare verkaufen, um auf einen "schwarze Null" zu kommen (die ja durch Schäuble momentan in aller Munde ist).
      Erst Verkäufe DARÜBER würden einen Gewinn ausmachen, der vorhergenannte Umsatz deckt ja nur einen Teil der Kosten. Welche? Na, den für Fotolizenzen/Bildrechte, Covergestaltung, Lektorat/Korrektorat, Flyer, Displays und anderen Marketingsachen.

      Trotz allem schreibe ich, weil es unglaublich Spaß macht und befriedigend ist, wenn fremde Menschen bei deinen Texten weinen, lachen, zittern, Seiten "fressen", Spannung, Schock und Glück erleben können. DAS ist auch ein Lohn, den ich nie mehr missen möchte.

      Wenn du Lust hast, klick doch mal zu den Leserunden und lies die Kommentare:
      http://www.lovelybooks.de/autor/Werner-Karl/Druide-der-Spiegelkrieger-1112174924-w/leserunde/1111427280/

      http://www.lovelybooks.de/autor/Werner-Karl/K%C3%B6nigin-der-Spiegelkrieger-1127164764-w/leserunde/1119444826/

      Oder zu den Rezis auf Amazon:
      http://www.amazon.de/Druide-Spiegelkrieger-Werner-Karl-ebook/dp/B00MPFXOLU/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1408940626&sr=8-1&keywords=spiegelkrieger

      Gerne kannst du auch mal meine Autoren-Website besuchen:
      http://www.wernerkarl.org/index.html

      Also, nicht verzweifeln, durchhalten, schreiben, schreiben, schreiben!

      Es grüßt dich mit erhobenem Schwert
      und den allerbesten Grüßen für die Festtage und das neue Jahr!

      Werner Karl ;-))

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  5. Die Geiz ist Geil Generation kann bei mir nicht landen.0 Euro Aktionen wird es für meine Bücher nicht geben.Ich verdiene eh schon bei 2,99 Euro pro Ebook nur ca.1 Euro ab 2015! Und dann soll ich sie auch noch verschenken? Nein, das mache ich nicht.

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