Freitag, 14. November 2014

Die Bücher meines Vaters

Der Tod meines Vaters hat viele seiner Bücher in meine Wohnung gebracht. Meine Mutter hat keine Verwendung für sie und ohnehin will sie vieles hinter sich lassen. Darum sind einige der Bücher nun hier. Mein Vater hätte gewollt, dass ich sie nehme.

Die Eigentümlichkeit eines Buchs liegt darin, » dass es ein Körper ist, mit einer Geschichte, man könnte auch sagen, einem Werdegang, und mit Geruch. Bücher riechen. So kam es, dass ich, als ich die Bücher in das eigens dafür neu an die Wand geschraubte Regal einsortierte, plötzlich diesen Geruch wahrnahm. Ein Geruch, der so unverkennbar und eindeutig zu meinem Vater und seinem Arbeitszimmer gehört, dass ich für einen kurzen Moment in der Zeit zurück reiste, wieder mit meinem Vater in seinem Zimmer saß, ihm zuhörte, wie er von einem Buch erzählte, von einem seiner unzähligen Bücher. Es war ein schöner Moment. Er zauberte ein Lächeln in mein Gesicht.

Trauer wird zu Erinnerung, Stück für Stück. Mit seinen Büchern ist nun auch ein mit den Händen greifbarer Teil meines Vaters hier bei mir. Dennoch, er fehlt mir, und er fehlt nicht nur mir…

Die Bücher meines Vaters, zumindest einige von ihnen.

Kommentare:

  1. Auf dem Armaturenbrett meines Autos sitzt ein Plüschgorilla, der früher meinem Vize-Vater gehört hat, lieber Pirandîl. Ich selbst hatte ihm den Affen etwa ein Jahr vor seinem (unerwarteten) Tod geschenkt, weil der genauso grimmig und zerknittert aussieht, wie mein Vize-Vater gleich nach dem Aufstehen immer aussah. Es vergeht kein Tag, an dem ich ohne ein Lächeln und eine stillen Gruß an die Vize-Vater-Seele in meinen Wagen steige...
    Liebe Grüße von Felina, der ein Toter seit vielen Jahren fast täglich ein Lächeln schenkt.

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    1. Hallo Felina,

      nicht erst seit dem Tod meines Vaters, sondern schon sehr viel länger glaube ich daran, dass kein Mensch verloren geht, in welcher Form auch immer. In der Erinnerung an die Menschen die wir lieben, schwingt immer das Leben mit, das sie geführt, das sie ausgezeichnet und geprägt hat. Es ist schön, sich dieser Menschen zu erinnern und arm wäre das Leben ohne die Erinnerung an sie.

      Liebe Grüße, Pirandîl

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  2. Hallo,

    das Vermissen wird wohl immer ein Teil bleiben, doch die Trauer wird - wie du es schon selbst erlebst - von mal zu mal angenehmer, fast schon beruhigender. Das du diese Bücher "aufgenommen" hast, war ganz sicher eine gute Entscheidung. Den jeder Blick zu ihnen ist eine Erinnerung, jeder Buchstabe in ihnen ein Lächeln von und für deinen Vater.

    Liebe Grüße
    Emaschi

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  3. Jeder, der Büchern Asyl gewährt, hat ein gutes Herz! Wenn ich daran denke, wieviele Menschen die Bücher ihrer Verstorbenen (geliebt oder nicht, egal!) zum Flohmarkt geben oder gar entsorgen. Das tut man Büchern nicht an. Bücher haben selbst so etwas wie eine Seele. Ich habe in meinem Haus eine Etage der Bücher. Sie sind mir wertvoll wie Kinder. Daher freut es mich, dass sie Dir gleich eine Erinnerung geschenkt haben, um sich für Deine gute Tat zu bedanken.

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  4. Lieber Pirandîl,
    zu diesem Thema habe ich mich gerade nochmal geäußert, weil es doch sehr verwirrend war.
    Dein Text hat mich sehr berührt. Bücher sind etwas Wundervolles, das sagt viel über deinen Vater aus. Es freut mich, dass du so gute und schöne Erinnerungen und auch Erinnerungsstücke hast und wünsche dir, dass sich der Schmerz langsam auflöst, ohne dass das Vermissen gleich mitgeht. Denn Vermissen, das gehört zum Leben und Lieben.
    Alles Gute für dich, Anna.

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