Sonntag, 11. Mai 2014

Die Wolkendecke reißt auf

Niddawiesen, Frankfurt am Main.
© Pirandîl
Wir standen nebeneinander und schauten in die Ferne. Außer uns war niemand da. In diesem Moment riss die graue Wolkendecke auf. Weiter hinten, am Ende des Parks, fielen Sonnenstrahlen auf die Hochhäuser, die sich hinter den Bäumen erhoben. Ich weiß noch, mir fielen besonders die Löwenzahn-Blumen auf, die als kleine gelbe Punkte in der Wiese aufleuchteten. Da spürte ich – ganz sacht und schüchtern – die Berührung von Marschas Hand. Ich wollte ihre Hand greifen, doch ich konnte es nicht. Die Worte, die sie kurz vorher zu mir gesagt hatte, waren noch da. Sie waren groß und schwer und lagen wie Mühlsteine auf mir. Was sie über ihre Krankheit erzählt hatte, über die Zukunft, es machte mir Angst. Da drehte sie sich zu mir um und schaute mir ins Gesicht. Ich blickte weiter in die Ferne.
„Ich wollte, dass du es weißt, weil es ein Teil von mir ist.“
Ein paar Sekunden verstrichen, dann sprach sie weiter:
„Aber ich bin mehr als das. Ich bin auch hier, jetzt.“
Ich antwortete nicht, da griff sie nach meiner Hand:
„Manchmal bleibt nur die Gegenwart.“
Endlich schaffte ich es, mich auch zu ihr umzudrehen. Langsam, wie in Zeitlupe, streckte ich die freie Hand aus und berührte mit meinen Fingern zärtlich ihr Gesicht. Sie war den Tränen nahe, aber sie lächelte. Es begann leicht zu regnen.
„Kommst du mit?“, fragte sie.
Ich nickte.
Hand in Hand gingen wir weiter.

Kommentare:

  1. Bitte findet die Sonne.

    Liebe Grüße
    Emaschi

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  2. Danke für deinen Kommentar. Letztendlich hat er mich doch wieder ein wenig aufgemuntert.
    In Kliniken bin ich des Öfteren, in verschiedenen, in verschiedenen Aufenhaltsspannen - mehr weiß ich nicht, was ich sagen soll. Bisher gab es bei mir keine Erleuchtung, wenn gleich tatsächlich zeitmäßige Besserung. =)

    Danke nochmal.

    Liebe Grüße
    Emaschi

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