Montag, 21. April 2014

Fremd sein II

Ich kenne diese Gefühle schon seit Langem. Ob ich sie suche oder sie mich finden? Besser ist wohl zu sagen, sie sind immer bei mir. Mal sind sie laut, mal leise, mal schlafen sie. In letzter Zeit sind sie wieder oft laut.

Es ist nicht alleine die Niedergeschlagenheit, die Anflüge von Traurigkeit, die wie aus dem Nichts kommen. Du wirst zum Fremden in deiner eigenen Stadt, deiner Straße, deiner Wohnung. Ein dünner Film legt sich um dich, hüllt dich ein und trennt dich von allem. Die Gedankenfetzen hallen als hohle Stimmen durch deinen Schädel, und wenn du morgens zusammen mit den anderen Frühaufstehern auf die Bahn wartest, kommt dieser kurze Kopfimpuls, wie es wohl wäre, auf den Gleisen zu stehen; nur Gedankenspiel natürlich, nur hohler Widerhall im Kopfgehäuse.

Wie es jetzt weitergeht? Ich habe jedenfalls nicht vor, zu verlieren. Also schreite ich als ein Fremder mit mir selbst einher. Ich und der andere, der auch ich bin, wir taxieren uns, belauern uns wie zwei Gegner, die in alter Feindschaft verbunden mit Respekt aufeinandertreffen.

Zum tatsächlichen Kampf kommt es dabei aber nie. Denn dieses Fühlen ist nicht neu in meiner Welt. Es gibt diese Gefühle seit jeher. Wäre ich noch der Mensch, der ich bin, wenn es sie nie gegeben hätte? Wahrscheinlich nein. Also belauern wir uns, testen unsere Schwächen aus, immer wieder und wieder. Irgendwann schläft der andere, irgendwann.

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