Sonntag, 16. Februar 2014

Wort-Skalpell

Inzwischen sehe ich das Ganze zum Glück wieder etwas entspannter, doch vor zwei Tagen musste ich mir den Frust einfach von der Seele schreiben.

Wort-Skalpell


Nun sind die Dinge klar. Du hast Dich gerade von ihr verabschiedet. Sie ist die Treppe hinunter zur U-Bahn gegangen. Du hast Deinen Weg fortgesetzt. Was unentschieden war, es ist nun entschieden. Nicht, dass ihr darüber geredet hättet. Ihr habt über vieles geredet, doch nicht darüber. Jedenfalls nicht mit Worten. Hätten Worte etwas geändert?

Du setzt Schritt vor Schritt und fällst dabei auf Dich selbst zurück. Mit jedem Schritt ein Stück mehr. Was bleibt, ist Erinnerung: Die Wärme eines anderen Körpers, kurze Momente der Nähe, das Glück, gesehen zu werden. Es sind schöne Erinnerungen, kostbar, doch ohne Zukunft. Und nun?

Manchmal führt kein Weg daran vorbei. Du legst Dich selbst auf den Seziertisch. Deine Hand packt das Wort-Skalpell. Du schneidest Dir die Worte heraus. Es ist nicht wie früher. Es ist kein Weltuntergang. Nur ein weiterer Stich, ein weiterer Schnitt. Der Schmerz überwältigt nicht mehr. Du kennst ihn schon gut, ein alter, gnadenlos ehrlicher Freund. Und das war es dann. War es das? Ja, das war es, für dieses Mal...

Kommentare:

  1. http://www.youtube.com/watch?v=jjinMPMI0do
    Ja, du kennst den Schmerz. So schlimm wie beim ersten Mal wird es nie mehr, weil du das einfach nicht mehr zulässt... Meine Freundin aus der Schulzeit sagte immer: Jedesmal wächst wieder ein bißchen mehr Hornhaut übers Herz.

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    1. Hey Dezembra, es ist wohl tatsächlich so, zum Älterwerden gehört auch, den Umgang mit Schmerz immer besser zu beherrschen. Eigentlich irgendwie traurig, dass Leben so funktioniert, aber so ist es nunmal. Zum Glück gibt es auch schöne Seiten. Liebe Grüße, Pirandîl

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  2. Jetzt verstehe ich deinen Kommentar in meinem Blog besser.
    Und ich kann dein Erleben nachvollziehen; auch ich habe diesen Schmerz schon erlebt. Mehr als einmal. Dennoch finde ich es lohnend, der Liebe immer wieder eine Chance zu geben. Es muss nicht zwingend im Schmerz enden, manchmal besucht dich auch ganz unverhofft das Glück. Und genau das wünsche ich dir!

    P.S. Zu deiner Fortsetzung wollte ich auch noch was schreiben, finde aber gerade nicht die rechte Ruhe dazu.

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    1. Hallo Schattentänzerin, vielen Dank für Deinen Kommentar und Deinen lieben Wunsch. Die Liebe (und alles was darum herum auch noch existiert) hat immer eine Chance verdient, das sehe ich genauso wie Du. Ich bin sehr gespannt, was Du zu "Verlangen" schreiben wirst, liebe Grüße, Pirandîl

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