Samstag, 19. August 2017

Dein Mensch-Sein

Das Gedicht entstand am Freitagabend als Kommentar zu einem Blogeintrag meiner Lebensgefährtin Silvanja. Ihr Gedicht trägt den Titel » Mensch

© Pirandîl
Dein Mensch-Sein


Es ist dein Bunt-Sein,
dein Lachen-und-Weinen,
dein Hier-Sein-und-Dort,
dass ich so sehr liebe.

Es ist dein Stark-Sein,
dein Hoffen-und-Suchen,
dein Aufstehen-und-Trotzen,
dass mich glauben lässt,
glauben an dich.

Es ist Deine Güte-und-Wärme,
die mich auffängt bei Nacht.

Für Silvanja, ich liebe Dich.

Donnerstag, 17. August 2017

August-Licht – ein Aufbruch

Weiß und orange blühten sie zu zweit.
© Pirandîl
Es war August. Tom stand auf der Veranda und betrachtete den Garten. Angenehme Wärme und der Geruch von Sommer lagen über allem. Nur das Licht war seltsam müde.

Er ging die kurze Treppe hinunter, dann stand er mitten zwischen den Beten und Sträuchern. Alles war grün, alles war satt. Eine Schlingpflanze hatte sich mit den Glockenblumen verflochten, weiß und orange blühten sie zu zweit.

Es gab auch viele andere Blüten, blau oder lila, rosa und rot, es konnte keinen schöneren Garten geben. Und doch, etwas war anders. Ein großes Verharren lag über allem, ein Ankommen und Ruhen; ganz plötzlich war da ein Schmerz in Toms Herz.

Er ging zum großen Fliederbusch und sah sich um, niemand war da. Dann duckte er sich und glitt unter denn Zweigen hindurch.

Tom hatte die Höhle inmitten des Buschs im Frühling entdeckt, als der Flieder in voller Blüte gestanden hatte. Er hatte niemanden davon erzählt. Dies war sein geheimer Platz.

Das Licht der Mittagssonne fiel nur spärlich durch das Blätterdach, es war angenehm kühl. In den Zweigen hingen Federn und kleine, seltsam geformte Holzstücke. Alles hatte Tom sorgfältig mit Bindfäden und Schnüren umwickelt und fest verknotet.

Auf dem Boden stand eine kleine Holzschatulle. Tom kniete sich davor nieder, öffnete sie langsam und betrachtete die Schätze darin.

Ein glatter, runder Flusskiesel mit rotweißem Muster, eine große Schneckenschale und sein größter Schatz, ein silberner Kettenanhänger mit einem dunkelroten Stein darin, Tom war sich sicher, dass musste ein Rubin sein.

Seit Mai hatte er die Höhle immer weiter ausgeschmückt, mit all den Dingen, die er bei seinen Streifzügen gefunden hatte. Der Entschluss kam wie von selbst.

Vorsichtig nahm er die drei Schätze aus der Schatulle und legte sie auf den Boden. Mit der gleichen Sorgfalt löste er all die Verzierungen, die er in den vergangenen Wochen an den Zweigen des Fliederbusches aufgehängt hatte.

Eines um das andere legte er die Kleinode in die Kiste, am Ende war alles verstaut. Nur die drei Schätze waren noch übrig. Er zögerte kurz, dann nahm er sie und packte sie ebenfalls in die Schatulle.

Die kleine Truhe unterm Arm ging er durch den Garten und den Hügel hinab zum Fluss. Er wusste, dass dort direkt am Ufer ein gefällter Baum lag. Als er ankam, brach er sich ein großes Stück Rinde davon ab. Sie war zum Glück trocken, denn es hatte seit Tagen nicht mehr geregnet.

Noch einmal schaute er sich um, niemand war da. Dann setzte er die Schatulle auf die Rinde, das Stück Borke war zum Glück groß genug. Er wollte das Schiff gerade ins Wasser setzen, als ihm noch ein Gedanke kam.

Schnell öffnete er den Deckel der kleinen Truhe und nahm das silberne Amulett mit dem roten Stein heraus. „Ein Geschenk für Solveig“, sagte er leise zu sich selbst. Mit diesen Worten steckte er den Anhänger ein.

Danach ließ er sein Schiff zu Wasser. Er sah zu, wie die langsame Strömung die Rinde mit der Schatulle darauf forttrug. Nun war ihm leichter ums Herz.

Als das Schiff an der Flussbiegung verschwand, ging Tom den Hügel hinauf, zurück in den Garten. Es war immer noch Sommer, nur das Licht war seltsam müde.