Freitag, 20. Juli 2018

Ein Liebesbrief und der CSD in Frankfurt

Liebste Silvanja,

seit mehr als zwei Jahren sind wir beide nun schon ein Paar, und ich erlebe jeden Tag aufs Neue, wie unglaublich reich und erfüllt mein Leben geworden ist, weil Du ein Teil davon wurdest.

Auch 2017 waren wir beim CSD in Frankfurt.
Schon am Beginn unserer Beziehung stellten wir fest: Wir tun einander gut. So schlicht und einfach diese Aussage auch anmuten mag, es steckt unglaublich viel in ihr. Es gilt auch jetzt und immer weiter, wir tun einander gut – weil wir uns lieben.

Ich hatte nie ein klassisches Comming Out. Unspektakulär, nur mit einem kurzen Satz in meinem Blog, stellte ich zunächst fest, dass ich bisexuell bin. Dann traf ich Dich und erfuhr, dass das Wort „pansexuell“ so viel besser beschreibt was in mir ist.

Die Erkenntnis pansexuell zu sein war die Befreiung meines Lebens. Alles passt auf einmal zusammen. Die leidige und viel zu simple Trennung zwischen Mann und Frau, die keine Graustufen, kein Dazwischen kennt, sie ist unerheblich. Auch ich, der ich zwar ein Mann, aber eben nicht zu 100 Prozent Mann bin, habe nun einen Platz – meinen Platz.

Ich danke Dir sehr, dass Du an meiner Seite bist, dass ich auch Teil Deines Lebens sein darf. Seit heute ist Christopher Street Day in Frankfurt, morgen wird die CSD-Parade durch die Innenstadt marschieren, schreiten, schlendern, tanzen. Dir bedeutet dieses bunte Fest, das zugleich auch Demonstration ist, so ungeheuer viel. Ich begleite Dich gerne dorthin.

In diesem Jahr werden wir nur am Rand stehen und die Parade betrachten, nicht mit marschieren wie in den vergangenen zwei Jahren. Du wirst so zum ersten Mal seit 18 Jahren die Parade wirklich sehen, warst Du doch sonst immer ein Teil von ihr.

Wir werden gemeinsam Freude haben, Freunde treffen, unser Leben und unsere Liebe feiern – ich freue mich sehr darauf.

In großer Liebe,

Dein Pirandîl